Mit dem Betreten der weisblauen kalten, glatten und doch so viel versprechenden Fläche beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Neue Bilder, bis dahin unbekannte Gegenstände und Kleidungsstücke, ungewohnte Bewegungen, eine laute auffordernde Stimme eines Fremden, keine Eltern
an der Seite, die einem helfen können. Ein Mix aus Unsicherheit, einem unbeschreiblichen Erlebnis und unbändiger Neugierde auf das, was kommt.
Nacht- und Tagträume von spannenden Spielen. Und Ich mitten drin. Und Ich schieße Tor um Tor. Und schieße das eine, das wichtigste Tor – das Siegestor! Und der Gegner versucht alles und kann mich doch nicht stoppen. Und meine Eltern schreien! Und sie sind stolz auf Mich!
Ich bastele an einem besonderen Helm aus Karton. Und bringe meine Bilder zu Papier. Bunt. In vielen Farben. Ich sammele Fotos meiner Idole. Ich will so sein wie sie. Vielleicht werde ich sogar besser und noch berühmter.
Der fremde Mann nennt sich Trainer. Er will, dass Ich all das nachmache, was er Mir zeigt. Bei ihm sieht´s so leicht aus. Und was ist, wenn Ich es nicht schaffe? Und was sagt dann Mama?
Ich glaube, Ich komme mit. Aber wieso sind manche schneller als Ich? Der Trainer sagt, dass Ich beim Abstoßen nicht voll und nicht kräftig genug durchstrecke. Papa sagt, Ich bin der beste. Aber wieso sind dann manche schneller?
Dieses schwarze Ding ist schwerer als Ich dachte. Der Puck rutscht immer wieder vom Hacken. Ich muss ständig zu ihm runter blicken, um ihn nicht zu verlieren. Der Coach sagt, wir sollten täglich eine Viertelstunde mit einer Holzkugel üben. Wie ein Musiker, der irgendwann so viel Gefühl für sein Instrument besitzt, dass er nicht mehr auf die Tasten schauen muss, um sein Stück zu spielen. Coach, wieso soll ich Verteidiger spielen? Ok! Ok! Ich sag nichts mehr. Nein, Ich habe kein Schiss vor Körperkontakt. Versuchen wir´s.
Habe gar nicht gewusst, dass die Handschuhe so stinken können. Zuhause landen die sofort irgendwo draußen in der frischen Luft. Es ist nicht wahr, dass wir nach Händedruck vom Gegner diesen Händedruck aus Respektlosigkeit am Eis abstreifen. Es ist eigener und fremder Schweiß, den wir auf dem Eis liegen lassen.
Unser Vorstand schreibt gerne Eishockey-Weisheiten: „Immer währende Schaffung einer Überzahl auf einem Stück des Feldes. Dies erfordert Willen, Können, Kraft und Hirn.“
„Die Frage ist: Wie erleichtere ich meinem Partner das Spiel?“
„Eishockey ist ein Spiel und es sollte, wie jedes Spiel, mit Witz und Überlegung gespielt werden!“ „Ein guter Pass ist schneller als der schnellste Spieler. Er kommt erst, wenn mich mein Kumpel sieht. Und er ist erst dann gut, wenn er in den Raum kommt, denn ich durch Bewegung frei gehalten habe.“
Ich stelle für mich fest, dass es Ehrgeiz, Konzentration und viel Arbeit bedeutet. Aber schlussendlich auch viel Spaß auf dem Eis.
Ich stehe immer noch nicht gut. Irgendwie bringt Mich dieses ständige Drehen und Wenden Meines Gegenspielers durcheinander. Irgendwas zittert in Mir. Krieg fast keine Luft vor lauter Zittern. Nichts wie weg mit dem Puck. Egal wohin. Je weiter weg, desto besser. Muss mir
vom Coach bestimmt wieder anhören: „Krieg dich ein. Alle kochen nur mit Wasser. Mach den Kopf frei. In deiner Dachstube entscheidet sich alles. Schauen, Sehen, Entscheiden, Tun. Und das schneller als der Gegner.“ Er hat wie immer Recht. Ist wieder einer dieser Tage. Glaube
fest daran, dass es sich mit der Zeit ergibt. Man nennt es Erfahrung, was einem Ruhe bringt.
Ich mag nicht, wenn Außenstehende am Coach oder an Spielern rummosern. Wir geben alles, was wir können. Wir sind eine Mannschaft. Und nur das zählt!
Scheißspiel! Gerannt, gekämpft, geschossen. Und verloren. War 2mal zu spät am Mann und musste beide Male raus. Mist. Ein blauer Fleck am Arm. Ruhe in der Kabine. An den Wunden lecken. An körperlichen und sonstigen. Männerschweiß. Duftnote unserer Truppe. Vertraut und
holt einen ins Leben zurück. Coach, bitte nicht jetzt! Übermorgen werden wir das Ding wieder hinbiegen.
Sie war heute das erste Mal dabei. Ich war so aufgeregt. Hab fast schon zu viel gemacht. Einmal kam von unserem Goalie, ich solle mich wieder einrenken. Es hat ihr gefallen. Sie sagte, dass ihr solche Jungs wie ich sympathisch sind, die so intensiv nach Körperkontakt suchen. Sie ist manchmal so frech, aber süß. Gott sei Dank, Eishockey gefällt ihr!
Schalala-lala-lala-la! Wir sind ein Team. Wir können alles erreichen. An Uns kommt keiner so leicht vorbei! Durch Eishockey habe Ich zu meinem Ich gefunden. Und es gefällt mir. Auf dem Eis wird mein Ich zu meinem Wir. Und das ist gut so!





