Die Technik der Fortbewegung auf Schlittschuhen ist die Grundlage des Könnens eines Eishockeyspielers. Sie artikuliert sich in der Ausführung von rational organisierten Bewegungen, die darauf ausgerichtet sind, große Spielräume schnell zu durchqueren (z.B. langer Konterzug), einen
Zweikampf vorzubereiten oder aus einem solchen schnell herauszukommen, richtige Position zum ankommenden Puck einzunehmen etc. Während des Spiels übt der Spieler unterschiedliche Arten des Laufens, der Drehungen, des Bremsens, der Beschleunigung, der Sprünge etc. aus.
Während wir Erklären, Beschreiben und Lehren der Vielzahl von Laufarten im Eishockey am besten dem Trainer überlassen, widmen wir unsere Aufmerksamkeit hier einer Art, die am Anfang der Ausbildung steht und im Spiel am häufigsten angewendet wird – dem Lauf mit gleitenden Schritten. Sie veranschaulicht am deutlichsten die Bewegungsabläufe, deren korrekte Ausführung unbedingte Voraussetzung für
powervolles Schlittschuhlaufen ist – Abstoßen und Gleiten. Erste Schritte eines Anfängers auf dem Eis ähneln denen eines kleinen Pinguins und heißen auch so. Sie sind zweckmäßig und natürlich: Das Kind schreitet mit kurzen Schritten übers Eis, ohne die Kufen von diesem zu lösen.
Angst und somit lockere Knie und Sprunggelenke in den Schlittschuhen sind Gründe für diese vermeintlich sichere Fortbewegungsweise. Hinzu kommt das fehlende oder ungenügend ausgebildete Gleichgewichtgefühl beim Stehen auf einer Kufe, welches jedoch für das Schlittschuhlaufen unabdingbar ist.
Das Gleiten auf einem Bein und Abstoßen mit dem anderen ist die erste Übung auf dem Weg zum Lauf mit gleitenden Schritten. Danach kommt nach weiteren Übungen irgendwann das Erlebnis des „Fliegens“ übers Eis.
Die Effektivität des Laufens hängt in vielerlei Hinsicht von der Grundhaltung des Eishockeyspielers ab: Sie muss bequem und stabil sein sowie eine freie Entfaltung der Kräfte erlauben, die durch abstoßende Bewegungen der Beine zum Erreichen einer gewollten Beschleunigung bzw. Geschwindigkeit beitragen.
Selbstverständlich ist die Haltung individuell unterschiedlich und hängt z.B. vom Wuchs und der Länge der Gliedermaße ab. Jedoch ist es zweckmäßig, während der Ausbildung eine ermittelte, biomechanisch begründete Variante beizubehalten:
Der Oberkörper ist 15 bis 25° zur Vertikale und etwa 100 bis 120° in der Hüfte nach vorne gebeugt, so dass die Schultern in der Projektion nach unten leicht über die Knie herausragen. Die Beine sind in Knie- und Sprunggelenken entsprechend in Winkeln von 90 bis 110° sowie 70 bis 80° derart gebeugt, dass die Knie in ihrer Projektion knapp über die Füße hinausgehen. Schultern breit, Bauch angezogen, Kopf hoch.
Eine solche Haltung gewährleistet die normale Arbeit der Beinmuskulatur, schränkt in keiner Weise die Funktion der Atmungs- sowie der Herz-Kreislauf-Organe ein, erlaubt dem Spieler eine gute Sicht und eine gute Orientierung im Spielgeschehen.
Führt man sich das Bild der oben beschriebenen Haltung vor Augen, so erscheinen die Hüftgelenk-, Oberschenkelund Sprunggelenk-Muskulatur wie leicht vorgespannte Federn. Indem der Spieler sein Körpergewicht auf ein Bein verlagert und das Bein im Knie- und somit auch im Sprunggelenk weiter beugt, spannt er die Muskeln und stößt sich mit Wucht nach hinten ab. Dabei wird das Bein vollkommen gestreckt. Die Kufenspitze beschreibt eine leichte Drehung nach außen, die Bewegung des Beins ist nach hinten und, in einem Winkel von etwa 30° zur Gleitlinie, nach außen gerichtet. Den letzten Kick in der Beschleunigung erreicht man durch die kräftige Streckung des Sprunggelenks, wobei
man durch den Druck auf den großen Zehe und das dahinterliegende Fußsohlenkissen mit der Kufenspitze abstößt.
Das Abstoßen nach hinten im oben beschriebenen Winkel zur Gleitlinie hat unter anderem den Zweck, das Massenzentrum des Körpers auf das sich im freien Gleiten befindliche Bein zu verlagern und so das erneute „Laden“ der Muskulatur für den nächsten Abstoß, nun aber mit dem anderen Bein, vorzubereiten.
Während des Gleitens auf dem einem Bein wird das andere aus der Abstoßlage zurückgeholt. Hier soll darauf geachtet werden, dass der Fuss nicht zu hoch übers Eis gehoben wird, aber auch nicht über dieses schleift. Beides würde sich störend auf den Gleitvorgang auswirken. Der herangeholte Fuss sollte so weich wie möglich mit der Kufe aufs Eis gesetzt werden, um keine bremsenden Wirkungen zu verursachen.
Nach kurzzeitigem Gleiten auf 2 Beinen wiederholt sich der Vorgang des Abstoßens mit dem anderen Bein. Typische Fehler beim Erlernen des Laufs mit gleitenden Schritten:
- Bewegung auf geraden Beinen,
- zu starke Neigung des Oberkörpers nach vorne mit gesenktem Kopf und somit eine Beeinträchtigung der Arbeit der Muskulatur, der Atem- und der Herz-Kreislauf-Organe,
- zu langes Gleiten auf 2 Kufen mit Geschwindigkeitsverlust als Folge,
- schwacher und/oder abrupt beendeter Abstoß (ohne abgeschlossene Bein- und Fußstreckung),
- Schleifen der Kufe auf dem Eis beim heranziehen des Abstoßbeins,
- Asynchronität der Hand- und Beinbewegung (Bewegung der gegenüberliegenden Hand zum Gleitbein).
Das Wiederholen mit der Akzentuierung der Richtigkeit der Ausführung in allen Bewegungsabschnitten und die sofortige
Korrektur der Fehler erlauben die Aneignung dieser Laufart in einer relativ kurzen Zeit.
Öffentlicher Eislauf bietet Eishockey-Anfängern Möglichkeiten fürs Üben außerhalb der Trainingszeiten im Verein. Hier ergibt sich auch für die Eltern die Gelegenheit das Schlittschuhlaufen mit gleitenden Schritten zu erlernen bzw. zu verbessern. Für die meisten Eltern wird es wohl die einzige Laufart sein, bei der sie mit ihrem Kind eine kurze Weile noch mithalten werden können.





