Nachfolgende Übungen dienen der Entwicklung von Fertigkeiten und Fähigkeiten des Kindes, wie sie im Eishockey gebraucht werden:
- angepasster Muskeltonus
- Körperhaltung
- Körperwahrnehmung
- Gleichgewicht
- Körperkoordination / gekreuzte Koordination
- Visuomotorik = Koordination von visueller Wahrnehmung und Bewegungsapparat
Alle Übungen verlangen nach Konzentration und bilden in ihrer Gesamtheit eine gute Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung des Kindes im Sport, beim Lernen und im alltäglichen Leben.
Die Übungsreihe ist nach der Methode „vom Leichten zum Schweren“ aufgebaut.
Bevor man jedoch vom Leichten zum Schweren übergeht, sollte die leichtere Übung auf jeden Fall erstmal reibungslos gelingen.
Liebe Eltern! Denken Sie immer daran, dass die nachfolgenden Übungen Ihre Kinder darin unterstützen sollen, Fertigkeiten und Fähigkeiten zu entwickeln, die im Sport und im alltäglichen Leben von Nutzen sein können. Diese Übungen dürfen jedoch keinen Maßstab bzw. keine Bewertungsskala für den Menschen Kind darstellen. Unsere Kinder motivieren und sich mit ihnen freuen – heißt die Devise!
Ob zuhause, auf dem Spielplatz, auf der Wiese oder in der Sporthalle – üben kann man überall. Mit Freunden und mit der ganzen Familie ist das Üben ein besonderes Vergnügen.
Bei der Beschreibung der Übungen wenden wir uns ans Kind per Du.
Klickt man die unterstrichene Übungsnummer an, so kann man sich die Übung auch in einer Videosequenz anschauen. Philip und Roman zeigen, wie es geht.
Übung macht den Meister! Viel Spaß!
I. Überkreuzbewegungen/Gleichgewicht
Die Fähigkeit, die Körpermittellinie zu kreuzen, ist im Eishockey vor allem beim Rückwärts- und Kurvenlauf (Übersetzen) sowie bei der Puckbehandlung (Dribbeln, Passen, Schießen etc.) gefragt.
Im Alltag ist diese Fähigkeit bei komplexen Handlungen wie Schreiben (von links nach rechts), Zeichnen von Diagonalen, Schleifenbinden etc. wichtig.
Das Kreuzen der Körpermittellinie wird oft durch eine Rotation begleitet. Diese ermöglicht, einen Raum schnell visuell zu erfassen oder die Bewegungsrichtung schnell zu ändern.
Übung 1. Knie-Klatscher
Klatsche mit der rechten Hand auf das hochgezogene linke Knie.
Danach klatsche mit der linken Hand auf das hochgezogene rechte Knie.
Steigerung: Berühre das Knie mit Ellenbogen.
Übung 2. Kreuzgang – vorwärts
Gehe vorwärts auf einer gedachten Linie oder über einem auf dem Boden liegenden Seil mit abwechselndem Kreuzen der Beine.
Übung 3. Kreuzgang – rückwärts
Gehe rückwärts auf einer gedachten Linie oder über einem auf dem Boden liegendem Seil mit abwechselndem Kreuzen der Beine.
Übung 4. Kreuzgang – seitwärts
Wandere auf einer gedachten Linie oder über einem auf dem Boden liegenden Seil seitwärts durch Kreuzen der Beine abwechselnd vor und hinter dem jeweiligen Standbein.
Steigerung: Erhöhung der Geschwindigkeit.
Übung 5. Hol den Apfel vom Baum!
Mach einen Sprung in die Höhe. Dabei stoße dich mit dem rechten Bein ab. Ziehe das linke Bein gleichzeitig im Knie hoch. Strecke dabei den rechten Arm in die Höhe. Wiederhole die Sprünge, so dass immer ein Knie und der gegenüber liegende Arm hochgezogen bzw. hoch- gestreckt sind.
Übung 6. Ritterturnier
Such dir einen Partner. Jeder von euch stellt sich auf ein Bein und verschränkt die Arme fest vor der Brust. Auf einem Bein hüpfend, versuche deinen Partner durch leichte Schulterstöße aus dem Gleichgewicht zu bringen, so dass er gezwungen ist, das zweite Bein zur Hilfe zu nehmen, um nicht hinzufallen. Denke daran, dass man durch Antäuschen bzw. plötzliches Ausweichen auch zum Ziel kommt – den Spielpartner aus dem Gleichgewicht zu bringen.
II. Angepasster Muskeltonus
Um motorische Vorhaben erfolgreich umzusetzen, muss der Muskeltonus (die Grundspannung der Muskulatur) der zu erfüllenden Aufgabe so exakt wie möglich angepasst werden. Die Fähigkeit, die Muskelanspannung aufgabenbedingt zu dosieren, ist von besonderer Wichtigkeit in vielen Spielsituationen und für die Ausdauer (bewusster Umgang mit eigenen Kraftreserven). Diese Dosierung erfolgt zum Teil bewusst, zum Teil auch unbewusst.
Im Alltag finden wir viele Situationen, bei denen ein angepasster Muskeltonus von Bedeutung ist: Klettern auf dem Spielplatz, Springen über ein Hindernis, Schreiben und Malen etc.
So ist z.B. bei Kindern mit Schwierigkeiten in der Regulation des Muskeltonus zu beobachten, dass sie beim Malen oder Schreiben den Stift oft zu fest halten, dadurch zu schnell müde werden und die Lust verlieren.
Übung 7. Flug
Lege dich auf den Bauch. Strecke deine Arme seitwärts aus. Hebe deine Beine, Arme und Kopf vom Boden ab. Stell dir vor, dass du fliegst. Halte die Position und zähle bis 10.
Steigerung: Zähle bis 20.
Übung 8. Stein
Lege dich auf den Rücken auf ein festes Tuch oder eine Decke. Lasse einen anderen – Eltern, Geschwister oder Freund - das Tuch unter dir wegziehen. Mache es ihnen schwer - werde zum schweren Stein, indem du deine Rücken-, Bauch- und auch Po-Muskeln so anspannst, dass dein Rücken in seiner ganzen Länge auf dem Tuch aufliegt (keine Hohlkreuz).
Übung 9. Ball
Lege dich auf den Rücken. Roll dich ein: Zieh mit beiden Händen deine Knie Richtung Kopf. Gleichzeitig hebe den Kopf vom Boden und versuche, mit der Stirn die Knie zu berühren, um dann in dieser Position zu verweilen. Mach dich klein wie ein Ball. Halte die Position und zähle mindestens bis 10.
Steigerung: Funktioniert die Übung 9 soweit, dass du nicht seitwärts wegkippst und deine Stirn 10 Sekunden lang an den Knien halten kannst, so kannst du jetzt den Purzelbaum üben.
Übung 10. Purzelbaum – vorwärts
Stell dich gerade hin. Mach einen Schritt nach vorne. Beuge dich mit dem Körper nach vorne und nach unten. Beuge leicht die Knie. Berühre mit beiden Händen die Auflage am Boden. Stoße dich mit dem nach vorne gerichteten Bein leicht ab, während du den Kopf zur Brust und Richtung vorgestrecktes Knie bewegst, dein Gewicht mit den Armen für einen Moment auffängst und über den Rücken nach vorne abrollst. Denke an die Übung 9 – den Ball. Genau so sollst du nach vorne rollen.
Steigerung 1: Purzelbaum vorwärts mit Abrollen in den Stand.
Steigerung 2: Purzelbaum – rückwärts.
III. Haltungskontrolle des Rumpfes und des Kopfes
Die Haltungskontrolle des Rumpfes und des Kopfes ist die Voraussetzung für jegliche koordinierte Bewegung der Beine und Arme, Haltung des Körpers in einer bestimmten Position sowie Positionswechsel.
Somit spielt die Haltungskontrolle des Rumpfes und des Kopfes eine bedeutende Rolle bei der Ausführung aller vorangegangenen Übungen und wird bei diesen auch mit trainiert.
Das Thema schneiden wir aber erst an dieser Stelle an, da die entsprechenden Übungen vom Schwierigkeitsgrad her eine Steigerung gegenüber den vorangegangenen darstellen.
In der Schule sorgt die Haltungskontrolle des Rumpfes und des Kopfes für eine adäquate Sitzhaltung, erlaubt fließende Arm-Hand-Bewegungen und angepasste Kraftdosierung beim Schreiben bzw. Zeichnen.
Die nachfolgenden 2 Übungen stärken die Muskulatur des Rumpfes und der Wirbelsäule.
Übung 11. Vierfüßler
Stelle dich auf „alle Viere“: Die Arme sind unter den Schultern, und die Beine sind unter dem Becken. Bleibe vorerst ganz locker.
Danach hebe langsam deinen Kopf, so dass du nach vorne guckst, und strecke ein Bein und diagonal gegenüber liegenden Arm parallel zum Boden. Kehre zurück in die Ausgangsposition und wiederhole die Übung, indem du ein anderes Arm-Bein-Paar streckst.
Bei dieser Übung werden keine Sekunden gezählt. Wichtig ist das Halten der Position, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten. Mache diese Übung langsam und achte dabei auf dein Gleichgewicht.
Übung 12. Schwimmer
Diese Übung macht deinen Rücken besonders stark und kräftig und schult deine Körperkoordination.
Lege dich auf den Bauch. Strecke deine Beine und Arme in einer Linie aus. Hebe leicht den Kopf. Augen schauen zum Boden. Hebe den linken Arm und das rechte Bein an. Halte kurz die Position, senke das Arm-Bein-Paar und hebe das andere Arm-Bein-Paar. Der Kopf bleibt beim Wechsel leicht gehoben. Wiederhole die Wechsel 5 bis 6mal.
IV. Augen-Hand-Koordination, Reaktion, Kondition
Ballspiele wie Handball, Basketball, Rugby etc. entwickeln beim Kind das Gefühl für Distanz und Kraftdosierung, fördern die Beweglichkeit, Reaktion, Stellung zum Ball und, beim intensiven Spiel, Schnelligkeit und Kondition.
Ballspiele erlauben die Entwicklung von automatisierten und jederzeit abrufbaren Bewegungsmustern, die für Eishockey vom unschätzbaren Wert sind.
All diese Fähigkeiten und Fertigkeiten sind im Sport und im Alltag von besonderer Wichtigkeit: Nagel einschlagen, Garn in eine Nadel einfädeln, einen Pass spielen, schnell nach einem zerbrechlichen Gegenstand greifen etc.
Beispiele aus der Schule: Lesen und Schreiben in einer Zeile. Anpasste Kraftdosierung beim Schreiben.
Übung 13. Handtennis
Suche einen Partner. Geht zusammen auf einen ebenen festen Platz, an dem kein Auto vorbeikommt und ihr keinen stört. Nimm einen Tennisball mit.
Stellt euch gegenüber in einer Entfernung von etwa 3 bis 4 Metern auf. Spiele den Ball deinem Partner durch leichtes Schlagen mit offener Handfläche und mit einer einmaligen Boden-Berührung zu. Dein Partner muss den Ball auf gleiche Art und Weise an dich zurückspielen.
Bei dieser Übung geht es nicht um einen Wettkampf! Vielmehr solltest du lernen, den Ball deinem Partner auf seine Schlaghand so zu spielen, dass er den Ball bequem auf deine Schlaghand zurückspielen kann. Wie im Eishockey, wo du deinem Partner den Puck so auf den Schläger „legen“ sollst, dass er ihn gut annehmen und weiter bearbeiten kann.
Nicht jedes Zuspiel wird 100-prozentig klappen. So versuche, dich durch schnelle Positionswechsel so zum ankommenden Ball hinzustellen, dass das Zuspiel mit deiner Schlaghand auch reibungslos gelingt.
Steigerung 1: Während des Spiels den Abstand vergrößern bzw. verkleinern.
Steigerung 2: Dem Partner einen Positionswechsel anzeigen.
Steigerung 3: Spiel auf einer festen unebenen Fläche.
V. Weitere Übungen
Übung 14. Hampelmann
Du wirst diese Übung wohl kennen. Hier bieten wir dir 3 Varianten dieser Übung an.
Variante 1: Stelle dich mit geschlossenen Beinen und den am Körper anliegenden Armen hin.
Springe hoch. Während des Sprungs öffne die Beine auf Schulterbreite und klatsche mit den Händen über dem Kopf. Lande auf geöffneten Beinen. Senke die Arme an den Körper.
Springe hoch aus der Stellung mit geöffneten Beinen. Schließe im Sprung die Beine und klatsche mit den Händen über dem Kopf. Lande auf geschlossenen Beinen. Senke die Arme an den Körper. Wiederhole die Sprünge mit Öffnen und Schließen der Beine und dem Klatschen über dem Kopf mehrmals, bis es reibungslos klappt.
Variante 2: Stelle dich mit geschlossenen Beinen hin. Lege die rechte Hand auf deinen Bauch, und die linke Hand auf deinen Rücken.
Springe hoch. Während des Sprungs öffne die Beine auf Schulterbreite und wechsle die Position deiner Hände – linke Hand auf den Bauch, rechte auf den Rücken. Lande auf geöffneten Beinen.
Springe hoch aus der Stellung mit geöffneten Beinen. Schließe im Sprung die Beine und wechsle die Position deiner Hände – linke Hand auf den Rücken, rechte auf den Bauch. Lande auf geschlossenen Beinen. Wiederhole die Sprünge mit Öffnen und Schließen der Beine und dem Positionswechsel der Hände mehrmals, bis es reibungslos klappt.
Variante 3: Stelle dich mit geschlossenen Beinen hin. Strecke deinen linken Arm gerade nach vorne. Strecke deinen rechten Arm seitlich so aus, dass zwischen den Armen ein 90°-Winkel entsteht.
Springe aus dieser Position hoch. Während des Sprungs öffne die Beine auf Schulterbreite und wechsle die Position deiner Arme so, dass beim Landen auf geöffneten Beinen der rechte Arm gerade nach vorne zeigt, und der linke Arm in 90° zur Seite zeigt. Dabei solltest du mit dem Körper keine Drehung machen. Bewege nur die Arme.
Springe hoch aus der Stellung mit geöffneten Beinen. Schließe im Sprung die Beine und wechsle die Position deiner Arme so, dass beim Landen auf geschlossenen Beinen der linke Arm gerade nach vorne zeigt, und der rechte Arm in 90° zur Seite zeigt. Dabei solltest du mit dem Körper keine Drehung machen. Bewege nur die Arme. Wiederhole die Sprünge mit Öffnen und Schließen der Beine und dem Wechsel der Armpositionen mehrmals, bis es reibungslos klappt.
Wir empfehlen hier eine Reihe weiterer Übungen:
Trampolin – Muskeltonusregulation, Körperkoordination, Kondition
Jonglieren – Visuomotorik allgemein, Reaktion, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz
Seilspringen – Körperkoordination, Kondition
Werfen – Augen-Hand-Koordination, Abschätzen von Entfernungen
VI. Bewegung und das Kennenlernen des eigenen Körpers
Eishockey ist eine der kompliziertesten Sportarten hinsichtlich Körperbeherrschung. Je nach Spielsituation, müssen viele Körperbewegungen präzise und schnell ausgeführt werden. Hinzu kommt noch, dass diese Bewegungsabläufe oft unter Fremdeinwirkung (Körperkontakt mit dem Gegner) ausgeführt werden müssen.
Je größer das Repertoire an eingeübten, automatisierten, jederzeit beherrschbaren, schnell abrufbaren und für den Gegner unerwarteten Bewegungsabläufen des Eishockeyspielers ist, desto größer ist der Spaß, die Motivation und der Erfolg im Spiel Eishockey.
Um jedoch irgendwann das Repertoire an solchen „Werkzeugen“ effektiv nutzen zu können, bedarf es methodischer und ausdauernder Vorbereitung. Das Kennenlernen des eigenen Körpers ist der erste Schritt in dieser Arbeit, und die hier aufgeführten Übungen werden dabei behilflich sein.





